Ausbildungen der FF St.Pölten-Wagram

30.05.2018Einsatzübung - Ammoniak-Austritt in der Eishalle
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"TUS-Alarm - Gaswarnanlage Eishalle, SPORT.ZENTRUM NIEDERÖSTERREICH", lautete die Alarmierung zur Einsatzübung am vergangenen Mittwoch für die freiwilligen Feuerwehr St.Pölten-Wagram unterstützt durch das Schadstofffahrzeug (SSTF) der FF St.Pölten-Stadt.

Wenig später waren insgesamt 4 Fahrzeuge mit 25 Mann zur Übung unterwegs. Angenommen wurde, dass bei Wartungsarbeiten in der Eishalle des SPORT.ZENTRUM NÖ Ammoniak ausgetreten ist und dadurch der Technikbereich der Eishalle somit ohne spezieller Ausrüstung nicht mehr betreten werden konnte. Genau für diesen Fall wurden 2007 erstmals gasdichte Chemikalienschutzanzüge durch die damalige NÖ Landessportschule bei unserer Feuerwehr stationiert und letztes Jahr vom SPORT.ZENTRUM NÖ gegen neue Anzüge ausgetauscht.
An der Einsatzstelle wurde Übungs-Einsatzleiter OBI Christian Kovar vom diensthabenden Eismeister, Mario Wallner, bereits erwartet und in die Lage eingewiesen. Personen waren keine mehr in der Halle - der Servicetechniker, der die Leckage entdeckt hatte konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen; die Eishalle wurde bereits vor Eintreffen der Feuerwehr evakuiert. Somit konnten sich die Einsatzkräfte auf die Eingrenzung des Schadens kümmern.

Sofort wurde ein Trupp unter Atemschutz losgeschickt, um einerseits Kontrollmessungen mit speziellen Prüfröhrchen zur Bestimmung der Ammoniak-Konzentration in der Luft durchzuführen und andererseits eventuell austretende Dämpfe mittels C-Löschleitung nieder zu schlagen.
Ein weiterer Trupp - zusammengestellt aus zwei Wagramer und einem St.Pöltner Feuerwehrkameraden - bereitete sich auf den Einsatz in gasdichten Chemikalienschutzanzügen vor. Dabei wurden sie von weiteren Feuerwehrleuten unterstützt, da ein Anlegen dieser speziellen Schutzanzüge alleine unmöglich ist.
Durch die restlichen Mannschaften des Versorgungsfahrzeugs und des Rüstlöschfahrzeugs wurde ein behelfsmäßiger Deko-Platz vorbereitet, um die mit Ammoniak beaufschlagten Einsatzkräfte nach deren Tätigkeiten zu reinigen (Anmerkung des Verfassers: dieser Deko-Platz wurde wegen fehlenden Personals allerdings nur "angedeutet" - im Ernstfall wäre eine Alarmstufen-Erhöhung durchgeführt worden!). Die Besatzung des St.Pöltner Schadstofffahrzeugs richtete in der Zwischenzeit die notwendigen Gerätschaften zum Abdichten der Leckage vor und stellte sie dem Schutzanzugtrupp bereit.

Nachdem der Schutzanzugtrupp fertig ausgerüstet war, machte sich dieser auf den Weg in den Technikraum, wo die Leckage (dargestellt durch ein Absperrband auf einer Rohrleitung sowie leichte Vernebelung mittels Nebelgerät) zuerst gefunden und dann in rund 2,5 Meter Höhe mit Rohrdichtmanschetten abgedichtet werden musste. Trotz Lärm durch die Kompressoren und Hitze im Technikraum, sowie trotzdem der Trupp aus verschiedenen Feuerwehren zusammengestellt war, arbeiteten die drei Feuerwehrleute rasch, richtig und gut zusammen.
Wenig später war die Abdichtung der Leckage geglückt und der Schutzanzugtrupp konnte dem Einsatzleiter den Vollzug des Auftrags über Funk rückmelden. Danach wurden nochmals mit den Prüfröhrchen Kontrollmessungen durchgeführt - angenommen wurde, dass die Maßnahmen Wirkung zeigten und nach einer Belüftung mittels Druckbelüfter die Ammoniak-Konzentration in der Luft soweit abgesunken war, dass ein Betreten für den Servicetechniker wieder möglich war.

Nach der angenommenen Dekontamination und richtigen Entkleidung der eingesetzten Kräfte in der Gefahrenzone wurde die Einsatzstelle an den Eismeister als Vertreter des Anlagenbetreibers übergeben und die Übung beendet.

Resümee

Bei der abschließenden Übungsbesprechung gingen die Ausarbeiter, unsere beiden Zugskommandanten Markus Steininger und Norbert Lackinger, sowie der Übungsbeobachter, Kommandant Leopold Lenz, auf die Tätigkeiten der eingesetzten Mannschaften ein - gelungene Tätigkeiten wurde lobend erwähnt; weniger Gelungenes wurde kritisch hinterfragt, allerdings auch gleich an Ort und Stelle geklärt, erklärt und Verbesserungen für zukünftige Übungen und Einsätze angesprochen.
Zu guter Letzt dankte Kommandant Lenz den Verantwortlichen des SPORT.ZENTRUM NÖ für die Möglichkeit, dieses besondere Objekt im eigenen Einsatzbereich beüben zu dürfen und den Teilnehmern für die aktive Mitarbeit an der Übung sowie den beiden Zugskommandanten für die Ausarbeitung dieser interessanten Übung.

Technischer Hintergrund der Ammoniak-Kühlanlage

Für die Kühlung der Eisfläche wird ein sogenanntes 2-Medien-System genutzt: Im Technikbereich der Eishalle wird Ammoniak (chemische Verbindung von Stickstoff und Wasserstoff, die stark stechend riecht. Es handelt sich um ein farbloses, wasserlösliches und giftiges Gas, das zu Tränen reizt und erstickend wirkt.) mittels Kompressoren so stark verdichtet, dass es sich verflüssigt. Anschließend wird es in einem Wärmetauscher entspannt und kühlt sich somit sehr stark ab. Durch diese Abkühlung wird im Wärmetauscher Glykol (organische Verbindung aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff) soweit heruntergekühlt, dass dieses unterhalb der Eisfläche in der Eishalle in Rohrleitungen verteilt wird und so die Eisfläche kühlt. Das auf die Eisfläche aufgebrachte Wasser wird mittels einer Eismaschine "glatt" gestrichen, damit die Eisläufer, Eiskunstläufer und Eishockey-Spieler "wellenlos" ihrem Sport nachgehen können.

Fakten

Datum 30.05.2018
Dauer 2,5 Stunden
Mannschaft der FF St.Pölten-Wagram Gesamt: 25 Mann
Übungsleiter FT Markus Steininger, BM Norbert Lackinger
Fahrzeuge
KLF-W 800
KLF-W 800
MTF
MTF
RLFA 2000/200 Tunnel
RLFA 2000/200 Tunnel
VF
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weitere Kräfte
  • FF St.Pölten-Stadt mit Schadstofffahrzeug (SSTF) und 3 Mann
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