Rauch steigt aus der Tiefgarage auf, Menschen schreien um Hilfe, die Sirenen der Brandmeldeanlage schrecken die Bewohner der Wohnhausanlage auf, der Funkspruch "Fahrzeugbrand in Tiefgarage" ruft Einsatzkräfte in die Josef Zwetzbachergasse in Wagram - so begann am Krampustag die Übung der freiwilligen Helfer der Feuerwehren St.Pölten-Wagram und St.Pölten-Stattersdorf sowie Rotem Kreuz und Arbeiter Samariter Bund.
Die Annahme: Bei einer "nachbarschaftlichen Hilfeleistung" an einem PKW war es zu einem Brand im Motorraum eines PKW in der Tiefgarage der rund 5 Jahre alten Wohnhausanlage gekommen. Außerdem war der Wagenheber der das Fahrzeug gestützt hatte weggekippt, woraufhin eine weitere Person eingeklemmt wurde. Zwei Kinder, die bei den Arbeiten am PKW zugeschaut hatten, bekamen es mit der Angst zu tun und versteckten sich darauf hin in der Garage, die insgesamt etwa 75 Autos Platz bietet.
Die Einsatzkräfte standen daher vor folgenden Aufgaben:
Brandbekämpfung
Vom ersten eingetroffenen Fahrzeug,
Tank 1 Wagram[/link], ging ein Trupp unter umluftunabhängigem Atemschutz und mit gefüllter Löschleitung zur Brandbekämpfung in die Tiefgarage vor. Aufgrund der angenommenen Hitze und der dichten Verrauchung schritt die Brandbekämpfung nur langsam voran.
Parallel zur Brandbekämpfung entdeckte der Trupp auch die unter dem Fahrzeug eingeklemmte Person.
Der zur Brandbekämpfung eingesetzte Trupp forderte nach der Entdeckung des Eingeklemmten sofort Material zur Menschenrettung nach - mittels eines Wagenhebers, der vom Trupp des mittlerweile eingetroffenen Tank Stattersdorf gebracht wurde, konnte der Verletzte rasch unter dem PKW hervorgeholt und mittels Tragetuch aus der Tiefgarage gerettet werden.
Erschwerend kam hier für die Atemschutztrupps der Faktor dazu, dass nicht wie oft üblich, eine Holzpuppe, die sich nicht rührt, zu retten war, sondern nach der Befreiung die Holzpuppe durch einen Statisten ersetzt wurde, der durch Schmerzschreie die eingesetzte Mannschaft zusätzlich unter Druck setzte.
Im Freien angelangt wurde der Verletzte sofort von den ebenfalls bereits eingetroffenen Rettungsdienstkräften übernommen und versorgt.
Neben der Brandbekämpfung und der Rettung des Eingeklemmten, suchte der Atemschutztrupp von [link=ausruestung_fuhrpark/&id=1001]Rüstlösch Wagram[/link] nach der zweiten Person von der nur Schreie in der Garage zu hören waren. Die Person war nach der "Verpuffung" in eine der Schleusen von der Tiefgarage zu einem Wohnhaus geflüchtet und dort zusammengebrochen. Wenig später war die Person gefunden und konnte über das Stiegenhaus ins Freie gebracht werden. Dort wartet bereits die Mannschaft eines Rettungstransportwagens, die sich um die medizinische Betreuung des Verletzten kümmerte.
Die beiden Trupps der FF Stattersdorf durchsuchten nach der Unterstützung bei der Menschenrettung den Rest der Tiefgarage, da noch zwei Kinder vermisst wurden. Einer der beiden Trupps ging von einer der Durchgangsschleusen mit einer gefüllten Schlauchleitung aus einem Wandhydranten vor, der zweite sicherte den Rückweg mit einer Leine.
Kurze Zeit später wurden die beiden Burschen gefunden und konnten ebenfalls an den bereitstehenden Rettungsdienst übergeben werden.
Die Wasserversorgung wurde von einem nahegelegenen Hydranten durch die Besatzung von Pumpe Stattersdorf sichergestellt.
Die Betreuung der insgesamt vier Verletzten wurde von den eingesetzten Rettungsdienstkräften übernommen.
Die beiden Einsatzleiter von Feuerwehr, Leopold Lenz (FF Wagram), und Rettungsdienstkräften, Andreas Dammerer (RK St.Pölten), sowie die Einsatzleitung der Feuerwehr, die von [link=ausruestung_fuhrpark/&id=1004]Kommando Wagram aufgebaut wurde, standen in ständigem Kontakt, um abzuklären, wie viele Personen vermisst sind bzw. mittlerweile gerettet und versorgt oder sogar schon abtransportiert waren.
Neben eingeteilten Übungsüberwachern von Feuerwehr und Rotem Kreuz beobachteten auch zahlreiche Bewohner der Wohnhausanlage die einzelnen Handgriffe der Einsatzkräfte und konnten sich so von der professionellen Arbeit der 45 freiwilligen Helfer überzeugen.
Mit dem Auffinden und Retten der beiden Burschen wurde das Übungsziel erreicht und die Übung beendet. Für die Übungsbesprechung, die gleich vor Ort durchgeführt wurde, wurden die verschiedenen Gerätschaften aufgebaut gelassen, damit jene Einsatzkräfte, die nicht in der Garage gearbeitet haben, auch mitbekamen, was los war und welche Aufgaben zu lösen waren.
Die Übungsbeobachter, Peter Strobl (Abschnittssachbearbeiter Ausbildung) und Rene Repa (Rotes Kreuz) bewerteten die Arbeit der Einsatzkräfte grundsätzlich als sehr gut, wenn auch das eine oder andere "Danebengelungene" besprochen wurde und als Ausbildungsziel für eine der nächsten Übungen vorgeschlagen wurden. Beide Seiten - sowohl Feuerwehr als auch Rettungsdienst - lobten die sehr gute Zusammenarbeit der Organisationen und sprachen sich für weitere gemeinsame Übungen aus, um die Zusammenarbeit noch mehr zu stärken.
Im Anschluss an die Besprechung wurden noch der "ausgebrannte" PKW (Brand im Motorraum wurde durch Nebelmaschinen und eine gelb-blinkende Absicherungslampe dargestellt) aus der Tiefgarage geborgen, leere Atemluftflaschen im Feuerwehrhaus Wagram befüllt, Schläuche und andere Gerätschaften wieder verstaut und die Fahrzeuge einsatzbereit gemacht - im Feuerwehrhaus wurden noch bei einem gemütlichen Ausklang die eine oder andere Kleinigkeit der Übung ausdiskutiert.